Unser erster Urlaub im Ausland

Elisabeth Kauerhof (Name geändert)

Meine Eltern sind Wolga-Deutsche. Während des zweiten Weltkrieges waren sie nach Sibirien ausgesiedelt worden. Dort bin ich geboren und aufgewachsen. Die Russen nannten unser kleines Dorf „Klein-Berlin“.

Im Jahr 1994 kam ich mit meiner Familie nach Deutschland. Seitdem bin ich in „Groß-Berlin“zu Hause. Hier lebe und arbeite ich bis heute.

An meinen ersten Urlaub mit Bewohnern und Kollegen in Dänemark kann ich mich noch sehr gut erinnern. Wir hatten ein schönes Haus mit einem großen Pool. Als alle drin planschten und tauchten, saß ich meistens auf der Bank und beobachtete die vergnügte Mannschaft,denn ich konnte nicht schwimmen. Ich habe es als Kind nicht lernen können, da es in unserem „Klein-Berlin“ weder einen Fluss noch einen See gab.

Mein entspanntes „vor sich hin dösen“ dauerte aber nicht lange. Einem in unserer Truppe passte mein Verbleib im Trockenen überhaupt nicht, und zwar dem Werner*. Zwei Tage lang versuchte er mich ins Wasser zu bekommen. Es sah sehr lustig aus; wir lachten viel. Es war interessant zu beobachten, was er sich als nächstes einfallen ließ, um sein Ziel zu erreichen.

Am dritten Tag, als ich es mir wieder gemütlich machen wollte, stand Werner vor mir mit einer entschlossenen, ernsthaften Miene. Ich dachte nur „was kommt den jetzt?“ Ich, nichtsahnende... Im nächsten Moment schwammen meine Hausschuhe im Pool. Mit Hilfe von Werner, versteht sich. Er ließ nicht von mir ab, bis ich mich endlich überwand und in den Pool hereinging. Ich musste ständig hochspringen, laufen konnte ich nur auf den Zehenspitzen, denn der Wasserspiegel war ungefähr so hoch, wie ich groß bin.

Als ich meine Hausschuhe hatte, und mich darauf freute, den festen Boden unter den Füßen zu haben, machte Werner mir wieder einen Strich durch die Rechnung. Er schwamm ganz leise hinter meinem Rücken an mich heran, sprang hoch und drückte mit voller Kraft meinen Kopf unter Wasser. Sekunden davor war ich noch über die ganze Situation amüsiert, jetzt war mir nicht mehr nach lachen zumute. Als ich keuchend und schluchzend auftauchte, sah ich das glückliche Gesicht von Werner. Seine Augen leuchteten wie nie zuvor! Er freute sich wie ein Schneekönig; da konnte ich auch nur noch lachen.

Seitdem sind über 12 Jahre vergangen, aber ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich an diese Geschichte zurückdenke.

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